Kümmel
- das Gewürz der Könige


Warum die "Krauts" den Kümmel schätzen


Das Gewürz des Kaisers Karl


Die Türken und die Kümmel-Türken


Warum heißt der Kümmel Kümmel?


Deutschland - Weltmeister im Kümmelkonsum


Zweifellos ist Kümmel die älteste Gewürz- und Heilpflanze, die die Bewohner Europas kannten. Kümmel wächst seit jeher in ganz Europa, von Kleinasien bis zur skandinavischen Baumgrenze. Er wächst wild oder wird, wie bei uns in Deutschland, angebaut.
Besonders bevorzugt Kümmel feuchtes Seeklima. Das mag der Grund dafür sein, daß der Anbau von Kümmel besonders bei den Norddeutschen und den Skandinaviern betrieben wird, deren Vorliebe bekannt ist: der Kümmel in flüssiger Form.
Kümmelschnäpse, vor allem der aus Skandinavien kommende Aquavit, dessen Namen "Lebenswasser" bedeutet, sind beliebte "harte" Schnäpse, die man von allem zum Anwärmen oder zur besseren Bekömmlichkeit vor dem Bier trinkt - wobei der Magenwärmer selbst eiskalt genossen wird.
Aquavitfreunde meinen, so nebenher sei Kümmel auch als Speisewürze zu brauchen. Auch in diesem Bereich wird dem Kümmel eine positive Wirkung für die Gesundheit zugeschrieben. Schwerverdauliche und fette Speisen werden durch Kümmel bekömmlicher.


Warum die "Krauts" den Kümmel schätzen


Daß die Deutschen zu den größten Kümmelkonsumenten der Welt zählen, liegt teilweise daran, daß Kümmel stets eines der preiswertesten Gewürze war, weil es hierzulande, in Holland oder Dänemark angebaut wurde. Ein weiterer Grund ist die den deutschen zugeschriebene Vorliebe für Krautgerichte. Weißkohl, Welsch- oder Krauskohl, vor allem aber das Sauerkraut sind ohne Kümmel nicht zu denken.
Das gilt auch für Kohlrouladen. Eintöpfe, deftige Braten und Kartoffelsuppen werden mit Kümmel zu Delikatessen, Käse und Quark werden mit ihm verfeinert, und nicht zuletzt gehören Kümmelbrot und Kümmelsemmel zu einer deftigen Brotzeit.
Überhaupt ist Kümmel ein Gewürz, das einfache Gerichte zu wahren Köstlichkeiten aufzuwerten vermag. Nicht nur in Deutschland hat der Kümmel in der Küche seinen Platz. Etwa in Ungarn, wo das echte Gulyas nicht nur mit Paprika, sondern auch mit Kümmel gewürzt wird. Besonders beim echten Szegediner Gulyas, in das ja auch Sauerkraut gehört, darf Kümmel nicht fehlen und sorgt für einen deftigen Geschmack.
Pilzgerichte der Alpenländer, Fischpfannen im Süden und Norden Frankreichs, ein deftiges Irish Stew - der Kümmel gibt diesen Gerichten den letzten Schliff. Ausgrabungen haben gezeigt, daß man schon in der Jungsteinzeit mit Kümmel gewürzt hat. In der Schweiz wurden Kümmelkörner aus jener Zeit zutagegefördert.


Das Gewürz des Kaisers Karl


Auch die Griechen des Altertums wußten Kümmel zu schätzen. So ist ein Gericht mit dem Namen ,,Myama" als eine Köstlichkeit mit Kümmel gerühmt. Im antiken Rom bevorzugte man den Schwarzkümmel, eine der zahlreichen Abarten unserer dunkelbraunen Kümmelkörner, wie auch Feldkümmel, Mattenkümmel, Wiesenkümmel, die nach den Vorkommen benannt sind und sich durch entsprechende Geschmacksnuancen auszeichnen.
Ein weiterer Verwandter ist der Kreuzkümmel. Kreuzkümmel war schon im Altertum bekannt und wurde ähnlich verwendet wie unser einheimischer Kümmel. Er wird heute in Nord- und Südamerika, Indien, in der Türkei, auf Sizilien und in Spanien und Nordafrika angebaut.
Als eine Delikatesse im alten Rom galten grüne Erbsenschoten und grüne Bohnen, die man roh mit Salz, Kümmel und Öl zu Wein verspeiste.
Ein großer Kümmelfreund war Karl der Große. Er ließ nicht nur für seinen Hof Kümmel anbauen, er gab auch Anweisung, daß man sich dieses Gewürzes besonders bedienen solle, da es das Essen nicht nur verfeinere, sondern auch verträglicher mache.
Der Kümmel wird heute vorzugsweise in Mitteleuropa, Skandinavien, auf dem Balkan und in den USA angebaut. Der beste Kümmel aber kommt zweifellos aus Holland, dessen "Amsterdamer Qualität" berühmt ist.


Die Türken und die Kümmel-Türken


Kümmel verspricht königliche Genüsse, wie es etwa eine Soße verrät, die Köche Karls des Großen zelebrierten: Rotwein, Rinderbrühe, Käse und Essig. Das Ganze wurde mit Pfeffer, Ingwer, Kardamom und Kümmel abgeschmeckt und soll Majestät entzückt haben.
Außer in der Branntweinherstellung - aus Kümmelöl stellt man auch Liköre her, die man oft mit Anis- oder Fenchelölen versetzt - wird das Kümmelöl auch zur Parfüm- und Seifenherstellung verwendet.
Eine besondere Rolle aber spielt Kümmel auch in der Heilkunde. Kümmel wirkt nicht nur appetitanregend und verdauungsfördernd, es wirkt auch krampfstillend. Das aus dem Kümmelsamen gewonnene Öl findet zur Bereitung von Kräutertee Verwendung, denen man außer der anregenden Wirkung auf die Verdauung auch eine Steigerung der Milchproduktion bei Schwangerschaften sowie die Linderung bei Erkältungen der Luftwege zuschreibt.
Daß der Ausdruck "einen kümmeln" oder auch "einen verkümmeln" von der Tatsache abzuleiten ist, daß aus Kümmel nicht nur Aquavit und Kümmelschnaps gebrannt werden, sondern auch Liköre, ist durchaus nicht völlig abwegig. Warum man aber einen Prahlhans und Aufschneider einen "Kümmeltürken" nennt, ist unbekannt, weil die Türken mit dem Kümmel wenig zu tun haben.
Eine Erklärung könnte sein, daß früher auf den Märkten Gewürzhändler ihre Stände hatten und viele von ihnen vom Balkan und wohl auch aus der Türkei kamen. Sie priesen ihre Gewürze in den höchsten Tönen an und schrieben ihnen nicht selten Wunderwirkungen zu. Dieser Text wurde dem vorzüglichen Buch "Kräuter & Gewürze", Honos-Verlag, Zug, entnommen.


Die verächtliche Bezeichnung Kümmeltürke für Gastarbeiter aus der Türkei ist nicht vom Namen des Gewürzes (das im Nahen Osten gar keine Bedeutung besitzt) abgeleitet, sondern bezieht sich auf Kemal Atatürk, den Gründer des modernen türkischen Staates.


Warum heißt der Kümmel Kümmel?

Das deutsche "Kümmel" leitet sich vom lateinischen cuminum (Kreuzkümmel) ab und wurde fälschlich auf die in Deutschland beliebte Pflanze  angewendet. Ähnlich bedeutet auch das griechische káron eigentlich "Kreuzkümmel",  nicht "Kümmel".
Auf káron geht das lateinische carum zurück,  das seinerseits im französischen und italienischen carvi weiterlebt; auch der englische Ausdruck caraway läßt sich über Vermittlung des arabischen  alkarawya auf diese Form zurückführen. Der Ursprung des griechischen  Namens ist nicht klar; vielleicht leitet es sich von der kleinasiatischen  Landschaft Caria ab, vielleicht ist es aber auch nur eine Variante von kýminon (Kreuzkümmel).
Die Bezeichnung für das bekannte Bauerfängerspiel Kümmelblättchen, das mit drei verdeckten Karten gespielt wird, hat allerdings nichts mit Kümmel zu  tun: Es leitet sich vom dritten Buchstaben des hebräischen Alphabets (gimel)  ab, der auch als Zahlzeichen für "drei" verwendet wird. Andere damit eng zusammenhängende Wörter sind Kamel und Gamma.
Das italienische comino tedesco "deutscher Kreuzkümmel" spiegelt wider, daß die Italiener Kümmel kaum verwenden und als typisch deutsch empfinden.