Keimgetreide

Die Verarbeitung von Keimgetreide mit dem Kegelscheibenmahlwerk und die Herstellung von Keimbrot.

In den letzten Jahren haben Keimlinge aus den unterschiedlichen Saaten in vielfältiger Weise Einzug in die Küche gehalten. Als Grundlage von Müsli oder als Beigabe zu verschiedenen anderen Gerichten kann es deren Vitalstoffgehalt und ihre Schmackhaftigkeit erhöhen. - Das Samenkorn ist eine natürliche Konserve, die sich in einer Art Ruhezustand befindet. Durch die Keimung werden seine Bestandteile einem Umbau unterworfen, der die verschiedenen Speichersubstanzen z.B. Stärke in andere Stoffe umwandelt, z.B. in Eiweiße und Vitamine. Durch die fortschreitende Keimung wird unter anderem Vitamin C gebildet, das im Winter eine Bereicherung der Kost bedeutet. Aus einer reinen Stärkenahrung wird dadurch ein Gemüse.

Es gibt aber auch noch einen anderen positiven Gesichtspunkt der Keimung, der weithin unbekannt ist. Der Mensch ist von Natur kein Stärkeverzehrer. Der Anbau des Getreides und die Viehwirtschaft haben ihren Ursprung in der Jungsteinzeit, als die Entwicklung des menschlichen Verdauungstraktes und seine Funktion schon weitgehend abgeschlossen war.

Seitdem hat es bei einigen Völkern eine gewisse Anpassung des Stoffwechsels an die
Ernährung mit Tiermilch gegeben. Die Anpassung an eine Stärkeernährung weist aber immer noch Schwachstellen auf, wie aus dem Folgenden leicht zu erkennen ist.

In den Jahren 1843, 1846 und 1847 wurde durch verschiedene Wissenschaftler ( insbesondere Herbst ) entdeckt, daß feinste Nahrungsbestandteile, aber auch anorganische Substanzen, vom menschlichen Verdauungstrakt  unverdaut aufgenommen werden. Die Größe dieser Partikel liegt unter einem Zehntel Millimeter. Diese verteilen sich über den ganzen Körper, sind nach kurzer Zeit in allen Körperflüssigkeiten ( auch der Muttermilch ) nachweisbar; selbst die Plazenta  ist für diese durchlässig und gibt sie an den Fötus weiter. Dieser Effekt, der als Persorption bezeichnet wird, wurde seitdem immer wieder neu untersucht. Zuletzt durch G. Volkheimer, Berlin mit seinen Mitarbeitern, die den Weg der Stärkekörner durch sämtliche Gewebe des Organismus mit dem Elektronenmikroskop verfolgten. ( Einzelheiten können der Arbeit " Das Phänomen der Persorption von Stärkekörnern , G. Volkheimer, veröffentlicht in der Zeitschrift " Die Stärke ", Nr. 4/ 20. Jahrgang, entnommen werden. ) Aus diesen Untersuchungen ist es von Bedeutung, folgendes zur Kenntnis zu nehmen:

1. Stärke gerät unverdaut in alle Körpergewebe.
2. Sie zerstört Kapillaren.
3. Sie lagert dort u.U. jahrelang.

Welche Störungen diese gespeicherten Stärkepartikel verursachen können, entzieht sich unserer genauen Kenntnis. Sie spielen eine Rolle bei örtlichen Entzündungsprozessen, bei Infektionen, vielleicht auch beim sogenannten " Dickwerden ".

Nun zurück zur Keimung: Durch den Keimvorgang wird die Stärke bereits nach wenigen Tagen so verändert, daß Ihre Persorbierbarkeit um ca. 50 % herabgesetzt wird. Es genügen wesentlich geringere Koch- und Backzeiten, um sie für den Menschen verträglicher zu machen. Leider hat es bis jetzt an einem geeigneten Küchengerät gefehlt, um angekeimte Saaten verarbeiten zu können. In der Brotindustrie ist es möglich, sie zu quetschen und dem Brot beizugeben. Doch im Haushalt fehlt es bisher an einer solchen Quetsche.

Der Arzt H. Fikentscher  hat vor vielen Jahren eine Mühle entwickelt, die Keimgetreide zu einer flockigen Masse verarbeiten kann. Dieses Gerät hatte ein Metallmahlwerk  und ein Getriebe und war insgesamt sehr aufwendig und teuer herzustellen. - Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit liegt nun mit dem Kegelscheibenmahlwerk ein preiswertes Mahlwerk aus Stein vor, das Keimgetreide zu verarbeiten in der Lage ist.


 

 

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