Bittere Schokolade

Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Schokolade Medizin enthält. Denn die Gerbstoffe (Polyphenole) sorgen nicht nur für den bitteren Geschmack vor allem der dunklen Schokolade, sie haben auch eine durchweg positive Eigenschaft: Sie fangen die aggressiven Radikale ab, die im Körper an verschiedenen Stellen ihr Unwesen treiben und für Herzinfarkte, Krebs etc. mitverantwortlich gemacht werden. Im Reagenzglas wurde schon nachgewiesen, dass die Polyphenole die kritischen Blutfettpartikelchen (LDL-Chlolesterin) vor dem Ñranzig werden" oder - medizinische korrekter ausgedrückt - vor dem Oxidieren schützen. Was geschieht, wenn diese LDL-Teilchen oxidiert weren, ist bekannt. Sie werden von so genannten Schaumzellen aufgefressen und diese lagern sich dann an den Gefäßwänden an. Plaques bilden sich und im schlimmsten Fall kommt es zu Gefäßverengungen, der Arteriosklerose.

Jüngste Tests von Schweizer Forschern haben gezeigt, dass die Gerbstoffe aus der Schokolade ins Blut aufgenommen werden. Die Forscher hatten dies zwar erhofft, aber so klar war das nicht, denn sie hätten ja auch im Magen verdaut werden können. Was die Polyphenol im Blut genau tun, ist allerdings noch umstritten.

Die Schweizer Studie hat ein Vorbild: Im Rotwein und im grünen Tee kommen ebenfalls Polyphenole in entsprechenden Konzentrationen vor. Das so genannte "Franzosen-Paradoxon" stellte die Wissenschaftler und Mediziner Anfang der neunziger Jahre schon vor ein Rätsel. Damals stellte man fest, dass Franzosen einen recht hohe Lebenserwartung haben und weniger Herzinfarkte. Die schützende Funktion der Polyphenole im Rotwein wären eine Erklärung, da die Franzosen gerne mal ein Gläschen genießen. Doch über die gesunde Dosis an Rotwein, sprich an Polyphenolen, konnten sich die Mediziner nicht einig werden. Einen solchen Zusammenhang tatsächlich nachzuweisen, ist außerdem sehr schwer. Dass die Franzosen seltener an Herzinfarkt sterben, könnte schlicht am Savoir vivre - ihrer Kunst zu leben - liegen.

Zurück zur Schokolade: Wie diese Frage bei der Schoklade gelöst wird, bleibt offen. Noch sind die Ergebnisse vorläufig. Eins ist allerdings sicher: Schokolade wird nie wirklich als Medizin herhalten, denn bei einem Fettanteil von ca. 50% ist sie natürlich in größeren Mengen für jeden Ernährungsexperten indiskutabel.

 

Heike Rebholz und Sabrina Steffen