DAS TRADITIONSREICHE OSTERBROT
Kein Wunder, dass das Brot, dessen Herstellung früher mit soviel Mühe verbunden war,heiliggehalten wurde, und viele Sitten und Gebräuche sich damit verknüpfen. ObOpfergabe, Schmuckgebäck, Alltagskost - Brotformen und -bräuche haben sich überJahrhunderte erhalten, auch wenn ihr ursprünglicher Sinn zum Teil verlorenging.
Schon Quellen aus dem griechischen und römischen Altertum überraschen mit einerFormenvielfalt an Gebildbroten, also figürlichen Gebäcken, die ohne Zuhilfenahme vonModeln zu bestimmten Terminen und Festen des Jahres- und Lebenslaufes hergestellt werden.Drei Gruppen von Gebäcken, die für die Festtagsbrote von besonderer Bedeutung sind,lassen sich in der Vielfalt dieser Brote erkennen: die menschengestaltigen, dietiergestaltigen und jene, die offensichtlich Gestirnsinnbilder darstellen. Besonderskrafterfüllt und heilbringend war dieses Gebäck, das zu den grossen Festtagen desJahreskreises bereitet wurde.
Ostern und Allerheiligen spielen in diesem Kreislauf seit jeher eine besondere Rolle.Im ganzen deutschen Sprachraum ist es Brauch, dass die Paten zu diesen Anlässen ihrenPatenkindern bis zum Abschluss der Pflichtschule bestimmte Gebäcke schenken. ÜbergrosseGebildbrote mit bunten Eiern sind für Ostern besonders charakteristisch. Hähne undHennen gabs meist für die Mädchen, Hasen oder Pferde für die Buben. Währendvielerorts die Paten zu Allerseelen die Gaben ihren Patenkindern zusandten, zu Osternmußten sich diese ihre Geschenke persönlich abholen. Kleine Geldbeträge, teils aucheingebackene oder eingesteckte Geldstücke, sowie buntgefärbte Ostereier gehörten alsBeigaben zum Geschenk.
Ein Vinschgauer Kinderreim erinnert an diesen Brauch:
"Jo, jo, jo,
der Oaschtertog isch do.
Der Teit der bring in Fochaz,
die Touta bring a Henn,
Madele, Madele, renn!"
Auch wenn dem "Osterhasen" als Gebildbrot die staniolüberzogeneSchokoladeplastik schon längst den Rang abgelaufen hat, beim allgemeinen Ostergebäcksteht das "Osterlamm" immer noch an erster Stelle. In liegender Stellunggebacken, mit einem roten Band um den Hals, gehört es nach wie vor in viele Osterkörbe,die zur "Speisenweihe" in die Kirche getragen werden.
Und noch ein österliches Gebildbrot nimmt bei uns einen wichtigen Platz ein, derOsterfochaz oder "Schinkenfochaz", wie er in Bozen auch genannt wird.Ursprünglich bezeichnete das Wort Fochaz ein unter der Asche gebackenes Fladenbrot.Irgendwann wurde der Begriff dann aber auf das zu Ostern gebackene Weizenbrot übertragen."Als reines Weizenbrot mit Eiern und Butter als Zugaben sowie etwas Anis alstypischemGewürz", so wird das traditionelle Osterbrot laut Bäckermeister HeinrichPfitscher aus Bozen heute noch hergestellt. " Der Teig wird rund ausgestossen undauseinandergedrückt" erklärt der Bäckermeister, "und dann wird mit einem Kammder typische Stern oben eingestupft". Zum "Geweichten", Schinken und Krenauf dem Ostertisch darf der Osterfochaz auch heute nicht fehlen. "Im Gegenteil",so Heinrich Pfitscher: "In Bozen hat das Interesse am traditionellen österlichenSchinkenfochaz in den letzten Jahren beachtlich zugenommen!" Da lebenalte Bräuche wieder auf und gesundes, schmackhaftes Essen hat wieder einen neuenStellenwert erreicht. Und noch etwas: Der Überlieferung nach nimmt, wer vom Osterfochazisst, einen besonderen Segen in sich auf.
Herbert Taschler
| DAS BROTREZEPT: OSTERKRANZ Zutaten: 550g Mehl, 40g Germ, 100g Zucker, gut 1/8 Liter Milch, 2 Dotter, 1/2 Teelöffel Salz, 100g Butter, Schale einer halben Zitrone Zubereitung: Ins Mehl eine Mulde drücken, Germ hineinbröckerln und mit Zucker und lauwarmer Milch einen Vorteig machen, Mehl darüberstäuben. 20 min. zugedeckt gehen lassen. Hat sich das Volumen verdoppelt, Zucker, Salz, Zitronenschale, weiche Butter und Eier untermischen, gut durchschlagen, bis zum doppelten Volumen gehen lassen, nochmals zusammenschlagen und in drei gleiche Stücke teilen, die zu langen Strängen Formen zum Zopf flechten und zum Kranz legen. Gegen lassen. Eigelb und zweil Esslöffel Milch verquirlen und damit bestreichen. Bei 200 Grad goldbraun backen. A. Kompatscher
"Südtiroler Backbuch", Athesia |
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