Der Blick in Nachbars Ofen
Reisen, die liebste
Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Aber was bringen die
Bundesbürger außer Urlaubsbräune und -fotos von den schönsten
Tagen des Jahres mit? Das Backmittelinstitut e.V. in Bonn hat
einen kulinarischen Blick in die Backstuben unserer Nachbarn
geworfen.
Vive la France, vive la Baguette.
Dabei zeichnet sich die französische Brotkultur nicht nur durch
die langen Stangen aus. Zwar decken sie 50 Prozent des
Brotkonsums, aber die Franzosen kennen auch das Demi-baguette
(Halbstange), Ficelles (Schnur), Batârd (Bastard), Petit pain
(Brötchen) und Pain (Brot). Die jeweilige Bezeichnung richtet
sich nach der Form des Brotlaibs.
Bei den Weizensorten haben die Franzosen verstärkt auf den
Klebergehalt geachtet, der die Elastizität des Brotes bestimmt.
Das Mehl ist weicher und enthält ca. 12,7 % Protein
(entsprechend ca. 26 % Feuchtkleber). Die Angebotsvielfalt bei
Feinen Backwaren ist riesig. Zu nennen sind nur die Croissants.
Zum echten französischen Mittagessen gehören gebackene
Vorspeisen und Desserts. Zum Abendessen kleine, süße
Gaumenfreuden, z.B. petit four. Der Brotverbrauch liegt im
Schnitt bei 57,7 kg pro Franzose und Jahr.
Bella Italia bietet - man glaubt
es kaum - mehr Brot- als Nudelsorten. Sie gliedern sich in sieben
Kategorien. Weit verbreitet sind das Pane toscano, das ohne Salz
hergestellt wird, die Hartweizenbrote Pane Pugliese oder Di
Amatura. Dazu kommen Flachbrote wie die weltbekannte Pizza.
Außerdem hat jede Region ihre Brotspezialitäten:
In Friaul sind es Pane di
Servola, ein Brötchen mit Schweineschmalz. In Ligurien Foccacio
- in Olivenöl gebackenes, mit Rosmarin oder Zwiebeln gewürztes
Flachbrot. Die sizilianischen Mofalda werden ofenfrisch mit
halbgefrorenem Fruchteis (Granita) verzehrt.
Beim Brotverzehr sind die Italiener sehr erfinderisch. Vor allem
Weißbrote werden mit Oliven, Knoblauch oder Tomaten kombiniert
und getoastet.
Im Schnitt verzehrt jeder Italiener pro Jahr 73 Kilo Brot. Im
Süden sind es sogar 127 Kilo.
Zuckersüß lieben es die
Österreicher. Bei der Entstehungsgeschichte Feiner Backwaren ist
die Alpenrepublik führend. Sacher-, Linzer- und Esterhazytorte
haben ihren festen Platz in jeder Konditoreiauslage. Dazu kommen
Krapfen, Maronengebäck und unzählige Strudelsorten. Der
Brotverzehr hingegen liegt bei nur 63,8 Kilogramm pro Jahr. Statt
dessen haben die Bewohner der Alpenrepublik eine deutliche
Vorliebe für warme Speisen.
Die Hauptbrotsorten haben meistens ein Verhältnis von 70 Prozent
Roggen- und 30 % Weizenmehl. Dieses Verhältnis ändert sich je
nach Region. So gibt es in Kärnten ein großes Sortiment an
Roggenbroten. In der Steiermark produzieren die Bäcker
Spezialbrote mit Kürbiskernöl. Auch Brote mit Kartoffelanteil
liegen im Trend. Doch vor allem bei Körnerbroten
haben unsere südlichen Nachbarn einen deutlichen Nachholbedarf,
obwohl rustikale Brote auch in der Alpenrepublik in
sind.